Zukunft entsteht im Gespräch (it’s that simple)

Ich war diese Woche gleich dreimal in der Zukunft. Einmal in Brüssel, einmal in Frankfurt und einmal via MS Teams. Aber der Reihe nach.

Am Dienstag war ich zum ersten Mal im politischen Brüssel. Hier war ich mit Kolleg:innen unterwegs, um mit Vertreter:innen der Europäischen Kommission über algorithmic management zu sprechen. Unser Anliegen war, wie das von einem Arbeitgeberverband vermutlich nicht anders zu erwarten ist: Bitte kein weiteres Gesetz, und zwar, weil wir glauben, dass bestehende Regelungen (Stichwort: once only) eigentlich schon ganz schön viel abdecken. Und weil wir natürlich Rahmenbedingungen brauchen, die Innovation ermöglichen und Unternehmen nicht aus Europa raustreiben.

Was ich gelernt habe: Die EU, das sind Menschen und Gebäude. Ja, das klingt banal, ist es aber nicht. Denn diese Menschen waren neugierig, offen und dankbar für Einblicke aus der Praxis, die wir mitgebracht haben. Und sie haben deutlich gemacht, dass sich Unternehmen öfter mal zu Wort melden sollten, weil sie sonst nur die Stimmen der Arbeitnehmerseite hören. Die EU ist also nicht nur ein ‚Regulierungsmonster‘ (was sie leider viel zu oft ist), sondern auch ein Resonanzraum – und genau den haben wir genutzt. Für mich war das Gespräch mit der Kommission wirklich wertvoll, weil es mir mal wieder sehr deutlich vor Augen führte, wie wichtig Kommunikation ist, wie wichtig Argumente sind, wie wichtig es ist, im Gespräch zu bleiben. Weil genau das dabei hilft, die andere Seite zu verstehen.

Zwischen Pizza mit unserem europäischen Dachverband ECEG und einer Führung durchs Europäische Parlament (sehr leer, Straßburgwoche) hatten wir auch noch ein Gespräch mit einer Kollegin von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Auch da ging es wieder um algorithmisches Management und das, was sich unter dem Namen „Quality Jobs Act“ in Brüssel zusammenbraut.

Heute, am Freitag, fand dann zeitlich sehr passend das Auftakttreffen unserer BAVC-Taskforce algorithmic management statt. Diese Taskforce ist als praxisnaher Beratungskreis gedacht und soll genau die Praxissicht, die der Brüsseler Politik fehlt, in die politischen Entscheidungsprozesse hineintragen. Was ich bei dem Treffen besonders spannend fand: In den Unternehmen scheint es immer wieder gar nicht um KI oder algorithmic management selbst zu gehen, sondern um die Frage, wie Menschen über KI denken. Oder genauer: wie wenig sie darüber wissen – und wie sehr dieses Nicht-Wissen die Akzeptanz blockiert. Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Es hilft, Ahnung zu haben.“ So einfach, so wahr. Aber vielleicht ist gerade das ein Hauptproblem in der ganzen KI-Debatte: nicht zu wenig Regeln, sondern zu wenig Verständnis dafür. Denn, wie ein paar Unternehmensvertretende anmerkten: Hatten ihre Kolleg:innen aus den Betriebsräten erst mal ein tieferes Verständnis für KI, nahm die Ablehnung deutlich ab. Ich schwenke also auch hier mal wieder die Fahne des Kompetenzerwerbs.

Gestern, am Donnerstag, dann noch der konkreteste Sprung in die Zukunft: Ich war Gast bei der Roadshow „Future:Welcome“ von The Future:Project im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt. Dort konnte man in unterschiedliche Zukunftsentwürfe eintauchen – manche klangen nach Science-Fiction, andere nach ganz pragmatischer Utopie. Matthias Horx sprach von der „Omni-Krise“ und plädierte für einen emotionaleren Zugang zur Zukunft. Tristan Horx sezierte das Generationskonzept und zeigte, dass viele Jüngere gar nicht mehr mit ihrer Generation identifiziert werden wollen. Und Oona Horx-Strathern sprach über „Kindness“ als neue Qualität in Unternehmen und Städten. Ich glaube sehr, dass es genau das, was wir in Zeiten multipler Krisen brauchen – und möchte mich ja gerade deshalb dieses Jahr besonders in Freundlichkeit und Zuversicht versuchen.

Besonders berührt hat mich übrigens die Idee der „Zukunft der Trauer“. Dass Steinmetze immer weniger Arbeit haben, weil immer mehr Menschen sich nach ihrem Tod verbrennen lassen wollen, ist vielleicht nicht das erste Thema, das einem einfällt, wenn man über Transformation spricht. Aber genau darin lag die Kraft dieser Veranstaltung: Sie hat gezeigt, dass Wandel überall stattfindet. Auch auf dem Friedhof.

Zukunft also nicht primär als Technologie, auch wenn das gerade immer zu dominieren scheint, sondern als Kultur. Nicht nur als Innovation, sondern auch als Re-Interpretation. Und irgendwo zwischen Brüssel, Frankfurt, Wiesbaden und MS Teams wurde ich mal wieder in meinem Glauben bestätigt, dass Future Skills das sind, was wir in unserer Gegenwart der Omni-Krise am stärksten brauchen: Widersprüchlichkeiten auszuhalten, mit Menschen ins Gespräch zu gehen, die richtigen Fragen zu stellen, zuhören zu können. Und dann vielleicht doch mal in den Zug nach Brüssel zu steigen. Auch wenn man vorher dachte: EU, das ist doch so weit weg.

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