Jahresstart ohne Leerlauf

Es ist Mitte Januar und ich habe das Gefühl, das Jahr sei schon wieder zur Hälfte um. Die ersten 16 Tage meines neuen Jahres waren ziemlich voll: Gestartet bin ich ins neue Jahr mit Umzugsvorbereitungen. Vom 07.-09.01. war ich dann im verschneiten Bayern am Tegernsee, wo wir als BAVC unsere Winterklausurtagung mit unseren Mitgliedsverbänden hatten: Drei sehr intensive Tage voller Vorträge, Diskussionen und Workshops. Mein Highlight hier: Der Vortrag von Dr. Stefan Dreher, in dem er vorstellte, wie die KI-Transformation bei BASF aussieht. Dabei machte er ganz klar, dass es keinen Sinn macht, genKI einzuführen, wenn man als Unternehmen nicht bereit ist, bisherige Prozesse infrage zu stellen. Die Implementierung von KI ist nämlich kein Technologie-, sondern ein Kulturprojekt. Und das geht nicht ohne Reibung, nicht ohne Veränderung, nicht ohne eine wirkliche Transformation von Bisherigem.

Im ‚Klausurtagungs-Style‘ ging es dann direkt weiter, da wir am 12.01. unser internes Offsight hatten, bei dem es um das Jahr 2026 im Verband ging. Direkt danach stand für mich privat ein Umzug an: Das erste Mal seit Beginn meines Studiums ging es raus aus der Stadt, sodass mit dem neuen Jahr auch direkt ein neues Leben beginnt, nämlich das Leben auf dem Land. Und dann, direkt nach dem Umzug, führte mich mein Weg nach Karlsruhe an die Moderatorenschule Baden-Württemberg. Dort besuchte ich ein zweitägiges Seminar zu den Grundlagen der Veranstaltungsmoderation.

Von alldem, was mich die ersten 16 Tage im neuen Jahr schon beschäftigt hat, möchte ich an dieser Stelle zwei Dinge teilen: 1) Claude Code (ja, es war wohl zu erwarten, dass auch ich dieses Thema bespiele) und 2) der (Nicht-)KI-Einsatz bei Weiterbildungen.

Zu Claude Code wurde die letzten Tage in den entsprechenden Bubbles schon viel geschrieben. (Disclaimer: Ich selbst habe Claude Code noch nicht ausprobiert, da ich nicht nochmals für einen Dienst bezahlen möchte. Dafür nutze ich aber OpenAIs Codex, das laut den AInauten genau gleich funktioniert wie Claude Code). Und hier bin ich ebenso begeistert wie alle anderen, die schon darüber schreiben. Vor allem begeistert mich, dass ich Obsidian (I love it!) mit Codex verbinden kann und somit, wie die FAZ titelt, einen „Superassistent für Wissensarbeiter[*innen]“ habe. Ja, ich habe zuvor schon mit lokal laufenden LLMs wie Ollama gearbeitet. Dass eine KI nun aber das Chatfenster verlässt und ’so richtig‘ „in den eigenen Rechner ein[zieht]“, ist für mich neu. Endlich kann ein LLM wirklich ganz konkret auf meinem Rechner operieren, kann auf sämtliche meiner Obsidian-Notizbücher zugreifen und hat damit nun mein komplettes ‚Second Brain‘ als Kontext. Großartig! Als Person, die im Bereich Bildung operiert, stelle ich mir aber auch die Frage, was dieser neue ‚ChatGPT-Moment‘ für die Gesellschaft und die Arbeit bedeutet. Wie ich diese Woche schon auf LinkedIn schrieb: „Letztes Jahr sprachen wir noch von der Kluft zwischen Menschen, die KI nutzen, und solchen, die KI nicht nutzen. Nun haben wir die Kluft zwischen Menschen, die LLMs über ChatGPT & Co. nutzen – und denen, die LLMs in ihrem Terminal nutzen und so noch viel mehr die Macht von LLMs entfalten können“. Ich bin echt gespannt, wie das weitergeht und in welche Richtung die KI-Kompetenz-Debatte geht.

Nun noch zum zweiten Punkt, der mich beschäftigt: Wie oben geschrieben, hatte ich die letzten Tage die Freude, eine Weiterbildung zur Veranstaltungsmoderation zu besuchen. Die Weiterbildung war toll (ehrlich!) und ich habe viel mitgenommen. Aber: An keiner Stelle wurde genKI als Unterstützungsfunktion, als ‚Helferlein‘ thematisiert. An so vielen Stellen dachte ich, wie passend es wäre, genKI hier als Sparringpartnerin, als Gedankensortiererin, als Reflexionstool etc. zu erwähnen. Gerade für Menschen, deren Beruf nicht Moderatorin ist, die keine Sparringpartnerin haben, die verunsichert sind, denen knackige Ideen für ihr Storytelling bei der Moderation fehlen etc. etc. etc. Für mich wurde hier so viel Potenzial verschenkt! Wir sind gute drei Jahre nach dem Launch von ChatGPT und KI spielte überhaupt keine Rolle im Training? Das zeigt mir, dass KI noch längst nicht so selbstverständlich in unserem (Arbeits-)Alltag angekommen ist, wie manche behaupten. In der Mittagspause ging es ein paar Mal um ChatGPT, aber immer nur im privaten Kontext. Das finde ich schade. Ich würde nämlich die These aufstellen, dass genKI in jedem Training, jeder Weiterbildung im Bereich der sog. Soft Skills (auch wenn ich das Wort nicht mag) auftauchen kann – und sei es nur als ’simple‘ Hilfestellung.

Das Jahr ist objektiv noch jung. Subjektiv fühlt es sich bereits ziemlich dicht an. Wenn das ein Vorgeschmack ist, dann wird 2026 kein Jahr der großen Ankündigungen und großen Worte, sondern eines der konsequenten Umsetzung. Und genau darauf habe ich Lust.

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